Auf der großen britischen Insel

Tag 0: London calling

London Stansted ist von London ähnlich weit entfernt wie Düsseldorf Weeze von Düsseldorf. Allerdings gibt es eine direkte Zugverbindung in die Innenstadt.

Vom Bahnhof zum Hotel habe ich mir ein Taxi gegönnt. Britische Taxen sind wirklich geräumig: mein Gepäck konnte mit in den Fahrgastraum, und auch der Kopfraum erlaubte, daß ich meinen Hut aufbehalten konnte.

Mein Hotel (das Tavistock) war wirklich gemütlich. Mein Zimmer hatte 2 Betten, eine Bibel, nachträglich montierte Doppelfenster und ein Bad mit Badewanne. Nur der Wandschrank war eher eine geräumige Garderobe. Allerdings mit Hutablage. Abends bin ich noch in die TavBar und nahm ein Bitter: es schmeckte wie Elch Bräu...

Tag 1: Let's swing

Das Englische Frühstück folgt ja dem alten Werbespruch: etwas Warmes braucht der Mensch; allerdings kann ich auf Skipper (ausgebackener Fisch) durchaus verzichten. Ich hatte aber das Continental Breakfast: viel Müsli etc. sowie Toast in Scheiben oder Brötchen mit Konfitüren.

Kings Cross Station war a) eine Baustelle und b) (nicht nur) von Touristen überlaufen.

Das Sherlock Holmes Museum in der Baker Street 221B ist Stimmungsvoll ohne Effekthascherei, Kitsch findet sich wirklich nur im angeschlossenen Shop.

Madame Tussauds ist ein Erlebnis für sich, man muß es wirklich einmal besucht haben. Allerdings weiß ich nicht, ob ich es ein zweites mal besuchen werde.

Im Regents Park waren ein paar Jogger und ein Graureiher.

Die Savile Row ist etwas trostlos, allerdings verbreitet sie schon die Gelassenheit für eine Schneidersitzung.

Die Bow Street war eine Enttäuschung: kein Hinweis auf die Bow Street Runners, kein Hinweis auf die Wache Bow Street, nichts.

Tag 2: London Bridge is falling down

Mit London Underground bin ich trotz Rush Hour rasch und problemlos durch die halbe Stadt gekommen. Die deutschen Straßenverkehrsbetriebe könnten sich davon eine dicke Scheibe abschneiden.

Tower & Tower Bridge sind wirklich beeindruckende Bauwerke, allerdings bin ich direkt weiter zur Themse gegangen.

Rund um St. Katharines Dock findet sich fast schon Fischerdorfathmosphäre. Mitten in einer Metropole.

Der Thames Walk liegt abseits der Hauptverkehrswege; man kommt eigentlich nur durch Baustellen mit Autos in Berührung. Und man findet noch viel Kopfsteinpflaster.

Die Temple Church ist noch in aktiver Nutzung und hat deshalb nur kleine Zeitfenster für Touristen. Der Häuserblock drumherum, The Temple, ist im grunde ein (zumindest für historische Romane) typischer Juristenkomplex.

Tag 3, Richtung Wales

Erstmal ein Fazit zu London: ein Moloch mit vielen Oasen der Ruhe, ohne daß es dort tot wirkt. Mehr Frauen als in Deutschland, die Rock tragen. Nur Brot und Bier sind für eine deutsche Zunge unbefriedigend...

Das britische Zugnetz ist faszinierend: mehrere Firmen arbeiten nahtlos miteinander, als wären die verschiedenen Verkehrsbetriebe für sämtliche Züge verantwortlich und man käme immer noch per ICE von Hamburg nach München.

Das Peach Tree in Shrewsbury ist ein gemütliches Restaurant, das leckeres Essen und genießbares Bier (man muß nur nach einem regionalen fragen...) zu einem guten Preis bietet.

Tag 4, Shrewsbury

Die Stadt hat immer noch ihren mittelalterlichen Schnitt und auch viele Ständerwerk-Häuser, allerdings führt die Hauptstraße mitten hindurch.

Die Burg ist ein "Neubau" aus dem 18. Jahrhundert und beherbergt ein Armeemuseum; einer der Wärter kannte die alte Kaserne in Duisburg!

Die Abtei wurde im Laufe der Zeit immer weiter abgebaut, heutzutage existiert quasi nur noch das Kirchenhauptschiff.

Tag 5, Genieße das Leben in vollen Zügen

Der Zug von Crewe nach Edinburgh war wirklich voll, allerdings war nur das Gepäckfach so überfüllt wie der ICE von Nürnberg nach Duisburg am 12.10. Und es gab eine Entschuldigung!

Das Golden Lion in Stirling hat den Charme eines Viktorianischen Hotels. Nur scheinen Britische Badewannen schmaler als deutsche zu sein.

Tag 6, Schweigen ist Gold

Das Wetter war ungemütlich: es war Stürmisch und es hat teilweise richtig geschüttet. Immerhin habe ich jetzt die Gewißheit, daß mein Mantel wetterfest ist.

Stirling Castle ist wirklich Eindrucksvoll, besonders die Ausstellung über die Restaurierungsarbeiten der Great Hall ist bemerkenswert. Und die Führung zu Argyll's Lodging sollte man mitmachen: es ist zwar nur ein Haus "wo irgendwer irgendwann irgendwas gemacht hat", aber die Erklärungen machen es zum Erlebnis.

Das Stirling Smith Museum hörte sich nach einem Handwerksmuseum an, entpuppte sich aber als kleines Heimatmuseum; immerhin ist der Eintritt frei.

Tag 7, Richtung Edinburgh

Nach der Zeitumstellung auf Winterzeit eine ruhige Bahnfahrt nach Edinburgh.

Das Priries Hotel entpuppte sich als umgebautes altes Wohnhaus unweit von Haymarket, immerhin gibt es WiFi.

Tag 8, Schusters Rappen

Die Free Tour von NewEdinburgh ist wirklich außergewöhnlich: kein Bus, nur zu Fuß kein Einstandswiederstand, Trinkgelder werden aber angenommen * 3 Stunden nette Anekdoten und Histörchen über die Altstadt von Edinburgh

Danach besuchte ich die Camera Obscura, die eigentlich nur durch die dazugehörige Ausstellung optischer Spielereien besonders wird.

Abends (bzw. nachts) ging es dann noch auf die Ghost Tour von NewEdinburgh, die hält, was die Free Tour verspricht: keine Schauspieler, sondern für wenig Geld eine Taschenlampe (na gut, Funzel) 1½ Stunden geistreiche Geschichten * ein Pint Bier

Tag 9, Timeout

Nach dier Nachtschicht von Tag 8 nur ausschlafen und Fernsehen...

Tag 10, Landpartie

Ein Tagesausflug zur Rosslyn Chapel: die Kapelle birgt auch ohne den Schmonzes von Dan Brown & Co. genügend interessantes und kurioses, um sie interessant zu machen. Zumindest hilft der gestiegene Touristenstrom dem Renovierungsfonds, das gesteckte Ziel sehr viel früher zu erreichen. Ich empfehle möglicht früh aufzutauchen: so wird man einmal durchgeführt und braucht sich nicht nur eine Einführung anzuhören und muß sich alles selbst zusammensuchen.

Tag 11, Ars gratia artis

Ein Gang durch die verschiedenen Stätten des Scottish National Art Museum.

Tag 12, Samhuinn

Der Samhain-Umzug in Edinburgh ist wirklich bemerkenswert: zunächst ziehen die verkleideten Darsteller bei Fackelschein und rhytmischer Musik vom Burgvorplatz zu einer vorbereiteten Bühne. Dort gab es eine Darbietung, die mich an Hoppeditzerwachen denken ließ: über 1½ Stunden besiegte der Frost das Leben und übernahm die Herrschaft, dazu wurde heiße Schokolade und Glühwein verkauft. Schade, daß Halloween jetzt eher eine Mischung aus St. Martin und Karneval ist.

Tag 13, Half-god of hangovers

Nunja, eines der Biere muß schlecht gewesen sein...

Tag 14, Rücksturz zur Erde nach Hause

Fliegen mit British Airways ist doch etwas komfortabler als bei Ryanair. Nicht nur, weil der Frühstückssnack teilweise aufgewärmt war...